Privatpraxis Dr. Hohl-Radke
Psychotherapie - Psychiatrie - Neuropsychiatrie - Coaching - Supervision

EMDR


Das Bild zeigt eine stilisierte Abbildung von neuronalen Verknüpfungenn

Die stark neurobiologisch geprägte Psychotherapiemethode Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) wurde in den auslaufenden 1980er Jahren erstmals eingesetzt und dabei ursprünglich zur Behandlung von Symptomen der posttraumatischen Belastungsstörung entwickelt und zugelassen. Das Verfahren wird seither in vielen Ländern der Erde stetig unter wissenschaftlicher Begleitung fortentwickelt. Mittlerweile besteht eine gute Evidenz dafür, dass die EMDR-Methode auch zur Behandlung von vielen anderen psychotherapeutischen Problemen und Anliegen wirksam und hoch effektiv eingesetzt werden kann. Dies gilt besonders, wenn belastende Lebensereignisse oder ein hoher emotionaler Druck bei der Entstehung oder der Aufrechterhaltung des zu bearbeitenden Problems eine bedeutsame Rolle spielen oder wenn offensichtlich blockierende Mechanismen die Bearbeitung einer psychotherapeutischen Thematik verhindern oder erschweren. So ist die psychotherapeutische Bearbeitung von starker Trauer nach Verlusterlebnissen und die Minderung des bis in die Gegenwart fortbestehenden „Belastungsdrucks“ nach früheren schlimmen Erfahrungen oder von immer wieder überflutender oder blockierender oder phobischer Angst (phobische Angst vor dem Erinnern an das Trauma, aber auch z.B. Prüfungsangst oder Präsentationsangst) ebenso wie die Bearbeitung von stark Ärger oder Hass auslösenden Situationen mit der EMDR-Methode gut möglich. Eine ganz besondere Stärke und eine deutlich bessere Wirksamkeit im Vergleich mit anderen nicht-körperfokussierten Psychotherapieverfahren scheint EMDR darüber hinaus bei der Desensibilisierung gespeicherter "Körpererinnerungen" (mit Bezug zu früher stattgehabten Belastungen) aufzuweisen. EMDR wirkt bei bestimmten Problemen oft deutlich schneller und effektiver als andere Techniken der Psychotherapie. Die Methode Eye Movement Desensitization and Reprocessing wurde zuerst von der amerkanischen Psychologin und Literaturwissenschaftlerin Francine Shapiro, PhD (1948-2019) entwickelt,  die seit den späten 1980er Jahren am Mental Research Institute in Palo Alto (Kalifornien) tätig war. 

Im EMDR-Behandlungsansatz kommen bilaterale Stimulationen zum Einsatz, die meist durch Augenfolgebewegungen oder durch "tapping" vermittelt werden. Da wir neu erworbene Informationen teils selektiv auf unseren beiden Gehirnhälften speichern (unsere linke Gehirnhälfte steht meist eher für den Verstand und die rechte Gehirnhälfte eher für die Emotionen), scheint die bilaterale Stimulation eine Neuvernetzung von korrespondierenden Informationen (zu dem gerade bearbeiteten Thema) auf den beiden Hirnhemisphären - und damit die Möglichkeit einer Neubewertung - zu fördern. Obwohl die EMDR-typischen Augenfolgebewegungen auf den ersten Blick an die klassische "Pendelhypnose" erinnern können, wird bei EMDR die Induktion von Trancezuständen im Gegensatz zur Hypnose eher vermieden, am ehesten scheint die Methode mit REM-Schlaf-ähnlichen Neubewertungs- und Verarbeitungsprozessen im Wachzustand vergleichbar zu sein. Stark belastende "traumawertige" Erlebnisse werden aufgrund des in den auslösenden Situationen maximal aktivierten hirneigenen Stress- und Alarmsystems ("limbisches System") und daraus resultierender selektiver Wahrnehmung oft nicht als vollständige, "verbundene" Erinnerung gespeichert, sondern stattdessen in unterschiedlichen Hirnbereichen "unverbunden", "fragmentiert", "dissoziiert" abgelegt. Durch die bilaterale Stimulation im Zusammenhang mit den jeweiligen EMDR- Ablaufprotokollen wird offensichtlich dann eine Art Selbstheilungsmechanismus oder ein (bis dahin von hirneigenen Schutzmechanismen blockiertes) Reparatur-Tool des menschlichen Gehirns aktiviert, so dass bisher dysfunktional verarbeitete Erinnerungen vom Gehirn nachverarbeitet werden können - zuvor autonome (fragmentiert gespeicherte) Erinnerungsfragmente können so neu in das künftige Erleben des "biograhischen Lebensfilms" integriert werden. Von "Entsetzen" geprägte Erinnerungsfetzen, die vor deren Behandlung in der Wahrnehmung des Betroffenen oft nur in panischen Standbildern aufgerufen werden konnten, können vermittels dieser Methode oft wirksam bis auf ein "erträgliches" Niveau abgemildert (desensibilisiert) werden. In- und externe Triggerreize sind dann üblicherweise nicht mehr in der Lage, bei den so desensibilisierten Gedächtnisinhalten unwillkürliche, ängstliche Nachhallerinnerungen (z.B. "flashbacks") auszulösen. 

 
 
 
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